Häufig gestellte Fragen
Häufig gestellte Fragen nach der Diagnose Epilepsie
Was sind Epilepsien?
Epilepsien sind häufige neurologische Erkrankungen, die sich durch vorübergehende Funktionsstörungen im Gehirn äußern.
Weltweit sind etwa 1 % der Menschen betroffen. Epilepsie kann jeden treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Wohnort oder sozialem Status.
Eine Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten. Genau genommen gibt es nicht die eine Epilepsie, sondern viele unterschiedliche Formen. Daher spricht man von Epilepsien als einer Gruppe von Erkrankungen.
Eine frühzeitige und sorgfältige Diagnose ist wichtig, um die jeweilige Epilepsieform zu erkennen und eine passende Behandlung zu finden. Je nach Ursache und Anfallsform kommen beispielsweise Medikamente, spezielle Ernährungskonzepte oder in einzelnen Fällen operative Verfahren infrage. Mit der richtigen Therapie gelingt es vielen Betroffenen, anfallsfrei oder deutlich anfallsärmer zu leben.
Wie entstehen epileptische Anfälle?
Grundsätzlich kann jeder Mensch unter ausreichend starken Belastungen einen epileptischen Anfall erleiden.
Bei gesunden Erwachsenen ist die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn jedoch meist so gering, dass sehr starke Auslöser notwendig sind – etwa ausgeprägter Schlafmangel oder Alkohol- beziehungsweise Drogenentzug.
Ein erstmaliger Anfall sollte dennoch immer ärztlich abgeklärt werden.
Denn neben vorübergehenden Auslösern können auch Erkrankungen des Gehirns, Stoffwechselstörungen oder andere medizinische Ursachen dahinterstecken.
Eine sorgfältige Untersuchung hilft dabei, das individuelle Risiko einzuschätzen und die passende weitere Behandlung zu planen.
Habe ich überhaupt Epilepsie?
Von Epilepsie spricht man in der Regel, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle aufgetreten sind.
Allen Formen der Epilepsie ist gemeinsam, dass Anfälle wiederholt auftreten können. Eine verlässliche Diagnose sowie die Abklärung möglicher Auslöser sollten daher durch erfahrene Epileptologen erfolgen.
Welche Untersuchungen helfen bei der Diagnose?
Zur Diagnose gehören neben einem ausführlichen Gespräch über den Anfallsverlauf häufig ein EEG zur Messung der Hirnaktivität sowie je nach Situation bildgebende Untersuchungen wie ein MRT. Auch Beobachtungen von Angehörigen oder Videoaufnahmen eines Anfalls können wertvolle Hinweise liefern. So lässt sich besser einschätzen, ob es sich um epileptische Anfälle handelt und welche Behandlung sinnvoll sein kann.
Was sind Gelegenheitsanfälle?
Von Gelegenheitsanfällen spricht man, wenn bestimmte Auslöser einen Anfall begünstigen oder hervorrufen. Zu den häufigsten Auslösern gehören Schlafmangel, ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Alkohol- oder Drogenentzug sowie das Vergessen von Medikamenten.
Wer seine persönlichen Auslöser kennt und sie möglichst vermeidet, kann das Risiko weiterer Anfälle deutlich verringern.
Erscheinungsformen von Epilepsien
Epilepsien können sehr unterschiedlich in Erscheinung treten. Das Spektrum reicht von kurzen Wahrnehmungsstörungen, etwa Kribbeln oder Frösteln in Armen und Beinen, bis hin zu schweren Anfällen mit Bewusstseinsverlust, Stürzen, Krämpfen und Zuckungen der Gliedmaßen. Auch weniger auffällige Anfälle sind möglich: Betroffene wirken dann für wenige Sekunden abwesend, reagieren nicht auf Ansprache oder zeigen automatische Bewegungen wie Schmatzen, Nesteln oder wiederholtes Blinzeln. Da diese Symptome leicht mit Tagträumen, Unaufmerksamkeit oder Kreislaufbeschwerden verwechselt werden können, ist eine ärztliche Abklärung bei wiederkehrenden Auffälligkeiten wichtig.
Sind Medikamente erforderlich?
Ob eine medikamentöse Behandlung notwendig ist, wird individuell und gemeinsam mit der behandelnden Fachärztin oder dem behandelnden Facharzt entschieden. Bei wiederholten Anfällen kann eine gezielte Therapie dazu beitragen, weitere Anfälle zu verhindern. Grundsätzlich gilt: Je früher eine Epilepsie fachärztlich abgeklärt und bei Bedarf behandelt wird, desto besser sind in vielen Fällen die Erfolgsaussichten der Therapie.
Regelmäßige Kontrolle und Therapietreue: Regelmäßige Kontrolltermine helfen dabei, den Behandlungserfolg zu überprüfen und die Therapie bei Bedarf anzupassen. Wichtig ist zudem, verordnete Medikamente konsequent und wie vereinbart einzunehmen – auch dann, wenn längere Zeit keine Anfälle auftreten. Bei Nebenwirkungen, Fragen zur Einnahme oder einem Kinderwunsch sollte zeitnah das Gespräch mit der behandelnden Fachärztin oder dem behandelnden Facharzt gesucht werden.
Sind Epilepsien erblich?
Etwa 5 % der Bevölkerung erleben im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall, zum Beispiel einen Fieberkrampf.
Eine Epilepsie mit wiederkehrenden Anfällen betrifft rund 1 % der Bevölkerung.
Ist ein Elternteil an Epilepsie erkrankt, liegt das Risiko für das Kind bei etwa 6 %. Umgekehrt bedeutet das: Rund 94 % der Kinder entwickeln keine Epilepsie.
Sind beide Eltern betroffen, steigt das Risiko auf etwa 10 bis 12 %.
Bei generalisierten Epilepsien der Eltern ist das Risiko im Allgemeinen höher als bei fokalen Epilepsien.
Diese Werte sind jedoch nur allgemeine Schätzungen. Im Einzelfall empfiehlt sich eine Beratung in einer Epilepsieambulanz oder einer humangenetischen Beratungsstelle.
Vererbt wird übrigens nicht die Epilepsie selbst oder eine bestimmte Anfallsform. Möglicherweise vererbt wird vielmehr eine erhöhte genetische Veranlagung für epileptische Anfälle.
Erkranken Kinder betroffener Eltern selbst an Epilepsie, tritt diese häufig in einem früheren Alter auf als bei ihren Eltern.
Neben der genetischen Veranlagung können auch andere Faktoren eine Rolle spielen: Ursachen wie Komplikationen rund um die Geburt, Kopfverletzungen, Entzündungen des Gehirns oder Stoffwechselerkrankungen sind in der Regel nicht direkt vererbbar. Eine individuelle ärztliche Beratung kann helfen, die eigene familiäre Situation realistisch einzuordnen.
Epilepsie – eine Geisteskrankheit?
Nein, keineswegs! Dennoch halten sich in der Öffentlichkeit weiterhin solche Vorstellungen – häufig aufgrund von Unwissenheit, Vorurteilen und Diskriminierung.
Der Begriff „Geisteskrankheit“ sollte deshalb unbedingt vermieden werden: Er ist sachlich falsch und unangemessen.
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung
Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es durch vorübergehende Störungen der elektrischen Aktivität zu epileptischen Anfällen kommen kann. Sie sagt nichts über die Intelligenz, den Charakter oder die psychische Gesundheit eines Menschen aus. Aufklärung und ein respektvoller Umgang helfen dabei, Vorurteile abzubauen und Betroffenen eine gleichberechtigte Teilhabe am Alltag zu ermöglichen.
Ist Epilepsie heilbar?
Als geheilt gilt, wer nach dem Absetzen aller Medikamente mindestens fünf Jahre lang anfallsfrei bleibt.
Bei bestimmten Epilepsieformen ist jedoch eine dauerhafte Behandlung mit einer niedrigen Erhaltungsdosis erforderlich, um langfristig anfallsfrei zu bleiben.
Ein Absetzen oder eine Dosisänderung sollte daher stets schrittweise und nur in enger Abstimmung mit der behandelnden Fachärztin oder dem behandelnden Facharzt erfolgen. Regelmäßige Kontrolltermine helfen dabei, den Verlauf zu beurteilen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und die Therapie individuell anzupassen.
Erstelle deine eigene Website mit Webador